
Alexander Longelius
Stellungnahme zu den Diskussionsbeiträgen im Abgeordnetenhaus
Während der Ausschusssitzung “Europa- und Bundesangelegenheiten, Medien, Berlin - Brandenburg” konnte Alexander Longolius aus Zeitgründen leider nicht auf die Diskussionsbeiträge der Abgeordneten antworten.
Daher hier seine schriftliche Stellungnahme:
1. Bedarf
Der Hinweis auf andere transatlantische Institutionen „in der Stadt”, die eine weitere Einrichtung überflüssig machen, ist bereits in der Sitzung entkräftet worden. Wannsee ist nicht „in der Stadt”, und der Charakter von American Academy und Aspen - Institut ist gerade nicht bürgeroffen. Natürlich ist das kein Vorwurf, Treffpunkte für Eliten können nicht gleichzeitig bürgeroffen sein, aber es zeigt, dass hier Einrichtungen verglichen werden, die nicht vergleichbar sind und nicht vergleichbar sein wollen.
Ein offenes Haus, wie wir es anstreben, kann nur in der Mitte der Stadt geführt werden, hier fehlt Raum für transatlantische Veranstaltungen. Wenn der Senat argumentiert, dass der Wert transatlantischer Beziehungen nicht an einer Immobilie gemessen werden kann, dann verkennt diese Haltung die Geschichte des Amerikahauses, seine Lage und die Tradition seiner Arbeit.
2. Trägerschaft
Wie bereits zu Beginn unserer Aktivitäten im Jahre 2006 ist auch jetzt eine enge Kooperation aller interessierten und qualifizierten Organisationen geplant und z. T. verwirklicht, anders ist auch eine nachhaltige Arbeit auf breiter Grundlage nicht möglich. Allerdings gibt es noch keine vereinbarten Strukturen für einen Träger-verein, eine Debatte darüber wäre verfrüht. Das Interesse relevanter Träger in Berlin und in den USA ist da und muss bei Vorliegen realistischer Voraussetzungen aktiviert werden.
Hier sollte auch nichts präjudiziert werden. Ob der Träger rein privat sein wird, ob mit Beteiligung der Stadt und des Bundes oder ob er auch amerikanische bzw. kanadische Organisationen aufnimmt, hängt von Entscheidungen im Grundsatz ab, die noch vorbereitet werden müssen.
3. Die Rolle der Botschaft der USA
Schon als die USA das Gebäude zurückgaben, war der Druck auf die Botschaft und innerhalb der Botschaft groß, sich weiter für dieses kulturelle Aushängeschild zu engagieren. Aus Sorge, dass daraus finanzielle Verpflichtungen entstehen könnten, gab der Botschafter strikte Anweisungen, jede Äußerung zu vermeiden. Uns liegen daher nur private, engagiert positive Stellungnahmen von Mitarbeitern der Botschaft vor.
Da das Amerikahaus nicht mehr als Instrument der auswärtigen Kulturpolitik der USA zu betrachten ist, würde es nach meiner Auffassung auch nicht unserer Rolle im transatlantischen Verhältnis entsprechen, wenn wir auf eine offizielle, finanzielle Beteiligung der USA setzen. Davon unabhängig werden wir uns natürlich um Sponsoren auch in den USA bemühen.
Dazu bedarf es allerdings des politischen Willens der Stadt, das Gebäude nicht nur „kulturwirtschaftlich”, sondern transatlantisch zu nutzen
Generell kann man wohl auch nachträglich feststellen, dass sowohl die letzte amerikanische Regierung als auch der letzte Botschafter der USA nur wenig Sinn für zivilgesellschaftliches Engagement hatten. Auch so wird das totale Desinteresse an deutsch - amerikanischen Beziehungen, die von nicht - staatlicher Seite getragen werden, verständlich. Der Wechsel im Weißen Haus wird sicher auch hier positive Folgen haben.
Im übrigen möchte ich bemerken, dass das erwähnte Desinteresse nur bei den offiziellen Vertretern der USA zu spüren war. Bei unseren Veranstaltungen und in den Gremien der beteiligten Organisationen sind amerikanische Bürgerinnen und Bürger prominent vertreten.
4. Forum City West
Der Freundeskreis Amerika Haus Berlin e.V. ist mit Herrn Meier, dem Vorsitzenden in guten Gesprächen. Wenn endgültig klar ist, welche Flächen dem Forum für die nächsten drei Jahre übertragen werden, kann geplant werden, wie wir uns an der Nutzung beteiligen.
Wir hoffen, dadurch zu einer Situation beizutragen, in der es in drei Jahren niemand in unserer Stadt mehr für möglich oder geboten hält, diese internationale Institution aufzugeben.
[Das vollständige Statement]