Alexander Longelius Alexander Longelius

Anhörung im Abgeordnetenhaus

Alexander Longolius, Schatzmeister des Freundeskreises Amerika Haus Berlin e.V., hat am  29. April 2009 folgende einleitende Bemerkungen in einer Anhörung im Abgeordnetenhaus gemacht:

Es gibt wohl keinen Zweifel, dass das Amerikahaus für einen wichtigen Teil der Geschichte unserer Stadt nach 1945 und für ihre Beziehungen zu den USA steht.

Dabei stand es einmal eher für Gesamtberlin, einmal für den Westteil. Mal waren diese Beziehungen gut, mal konfliktbeladen. Mal waren wir uns einig mit der Schutzmacht USA in der Einschätzung unserer Probleme, mal kontrovers in der Beurteilung der Entscheidungen dieser Weltmacht an anderer Stelle.

Immer aber war es ein Symbol für die Beziehungen der Berliner zu den USA und zu den vielfachen Wandlungen dieser Beziehungen.

Es ist hier nicht der Ort, und es ist sicher auch nicht meine Aufgabe, diese Geschichte im einzelnen darzustellen. Ich habe diese Punkte nur erwähnt, um zu begründen, warum es für viele Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt nach der Rückgabe des Gebäudes durch die USA an Berlin selbstverständlich war, dass das Haus seine Arbeit fortsetzen würde, bzw. dass es diese Arbeit dort wieder aufnehmen würde, wo die USA selbst sie vor einiger Zeit unterbrochen hatten.

Diese Arbeit bestand, sehr abgekürzt, in Information und Gedanken-austausch in vielen Bereichen, Kunst und Kultur, Politik und Gesellschaft, Wirtschaft, etc. Bürgeroffen, nicht nur auf Einladung an wenige. Unter Regie der amerikanischen Regierung, aber keineswegs regierungstreu. Schon die Auswahl der Direktoren zeigte, dass Kommunikationskenntnisse wichtiger waren als das richtige Parteibuch. Und der Erfolg gab dieser Haltung Recht.

Im Amerikahaus fand ja wesentlich mehr statt als die Beschäftigung mit einem anderen Land. Nach dem Krieg gab es dort die Wiederentdeckung der Moderne, später dann Begegnungen mit anderen Entwicklungen in der Kunst,  der Musik, vor allem aber der Gesellschaftspolitik. Ich fand das immer interessant, auch wenn ich vieles nicht gemocht habe. Sie kennen sicher die These, dass Entwicklungen in den USA nach 15 Jahren auch bei uns landen. Ein Besuch im Amerikahaus war also wie ein Blick in unsere Zukunft.

Auswärtige Beziehungen sind heute, und das vor allem in Demokratien, zu einem großen Teil gesellschaftliche, also nicht - staatliche Kontakte. Ich nenne hier nur Austauschprogramme auf allen möglichen Ebenen, international bedeutsame Konferenzen, die Vernetzung von Organisationen in der Wirtschaft, etc.

Sie alle funktionieren ohne staatliche Vorgaben, natürlich aber oft mit staatlicher Beteiligung und finanzieller Hilfe. Und nicht im Gegensatz zueinander, sondern als Ergänzung unter Gleichberechtigten.

Auf der Grundlage dieser Überlegungen haben sich 2006 einige Organisationen und engagierte Persönlichkeiten zusammengesetzt, um das Amerikahaus als Ort dieser transatlantischen Begegnungen zu erhalten. Natürlich haben wir schon sehr früh mit dem Parlament und der Senatskanzlei Kontakt aufgenommen, so haben wir unser Vorhaben z.B. allen Fraktionsvorsitzenden in diesem Haus vorgestellt und auch einigen kulturpolitischen Sprechern. Dabei haben wir viel Ermunterung erfahren, für die wir dankbar waren.

Konkreter allerdings waren die Gespräche mit dem Senat, auch wenn das Konkrete sehr einseitig war. Verständlicherweise wurden wir immer wieder aufgefordert, ein Konzept, vor allem ein finanzielles Konzept vorzulegen, allerdings wurden uns die wesentlichen Bedingungen für ein solches Konzept nicht genannt, nämlich die Summen, die sich der Senat für einen Kauf oder eine Anmietung vorstellte.  So haben wir nie ernsthaft verhandelt.

Andere Überlegungen, eine transatlantische Nutzung dort sozusagen in der Rolle eines Untermieters einzubringen, zerschlugen sich. In einem Fall, der angedachten Gemeinsamkeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung, war das mehr als bedauerlich.

Wie ist nun die gegenwärtige Lage? Durch die langen und ergebnislosen Gespräche der letzten drei Jahre sind viele Organisationen aus unserem Arbeitskreis ausgeschieden, NPR, eine amerikanische Universität, Austauschorganisationen, ein Buchladen, ein Cafè, etc. Sie alle wollten mit uns das Haus nutzen, konnten aber natürlich nicht jahrelang warten.

Die meisten der verbliebenen Aktiven sind jetzt im Freundeskreis Amerika Haus Berlin organisiert, es gibt aber auch andere, an einer Nutzung des Hauses interessierte Organisationen, die bei akzeptablen Bedingungen sicher gemeinsam ein Programm im Sinne des alten Amerikahauses auf die Beine stellen würden und können. Der   Träger würde von einer staatlichen Behörde zu zivilgesellschaftlichen Institutionen wechseln, der Geist des Hauses bliebe erhalten.

Wenn ich „alt” sage, meine ich nichts Nostalgisches. Die gesellschaftlichen Entwicklungen in den USA und in Kanada bleiben für uns interessant. Sie an einem zentralen Ort den Berlinern vorzustellen, bleibt wichtig. Seit den 80er Jahren sind Generationen nachgewachsen oder zugezogen, die eine wirklich objektive Beschäftigung mit den USA nicht kennen gelernt haben und für die Kanada noch stärker Neuland ist. Hier ist eine Lücke, die der deutschen Hauptstadt nicht würdig ist.

Selbstverständlich würden wir den Austausch von Überzeugungen und Planungen nicht einseitig betreiben. Auch Europa, Deutschland und Berlin haben zu diesem Dialog viel beizutragen, und wir haben jeden Anlass zu der Hoffnung, dass die Ohren auf der anderen Seite des Atlantik jetzt offener sein werden für unsere Erfahrungen.

Auch wenn das Haus zum Verkauf ausgeschrieben ist, gilt im Augenblick wohl ein dreijähriges Moratorium. Die Berliner Politik, und hier vor allem das Parlament, die erste Gewalt,  sollte die Zeit nutzen, um das Amerikahaus zu einem transatlantischen Zentrum auszubauen und wieder in einen Zustand zu versetzen, der es auch für Vereine bespielbar macht. Die Amerikaner haben beim Auszug eine erhebliche Ablösesumme bezahlt, wie es sich für einen anständigen Mieter gehört, damit kann man Ersatz für die Technik, die Beachtung baupolizeilicher Vorschriften, Bestuhlung, die Modernisierung der sanitären Anlagen, etc. zu einem großen Teil bezahlen.

Der Vortragssaal im Amerikahaus ist gut geeignet für Lesungen, Diskussionen, Konzerte, Theaterabende, aber auch Konferenzen und Seminare. Das hat er oft genug bewiesen und jetzt gerade wieder bei unseren Veranstaltungen im Herbst.

Im gegenwärtigen Zustand ist das Haus für private Träger aber nicht nutzbar. Es ist einfach zu teuer, jedes Mal die Bestuhlung an- und wieder abzufahren und die unzähligen Auflagen zu erfüllen. Ich habe unsere Veranstaltungsreihe zu den Wahlen in den USA im Herbst des letzten Jahres schon erwähnt, wir konnten sie nur mit finanzieller Hilfe der Bundeszentrale für politische Bildung durchführen, konnten dabei aber zeigen, wie populär der Ort ist: Alle 7 Abende waren ausgebucht, unter den Besuchern war ich mit Abstand einer der Alten.

Meine Damen und Herren, ich danke für die Geduld, mit der Sie mich angehört haben, und für Ihre Befassung mit dem Thema. Ich hoffe sehr, dass es mit Ihrer Hilfe gelingen wird, dem Amerikahaus eine gute, der Hauptstadt Berlin angemessene Zukunft zu sichern.

[Die Stellungnahme zu den Diskussionsbeiträgen]
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